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Molekularbiologische Therapie

Die molekularbiologische oder zielgerichtete Krebstherapie („Targeted Therapy“) ist ein noch junger Ansatz bei der Behandlung von Krebs.

Während die Chemotherapie eher unspezifisch wirkt und auch gesunde Zellen schädigt, können durch die neuen spezifischen Wirkstoffe nun zielgenau die Krebszellen angegriffen werden – eine wirksame, aber für den Gesamtorganismus weniger belastende Methode.

Die molekularbiologische oder auch zielgerichtete Krebstherapie (Targeted Therapy) greift auf Substanzen zurück, die natürlicherweise im Körper vorkommen und Krebszellen zerstören können, indem sie gezielt auf Krebszellen reagieren. Die molekularbiologische Therapie unterscheidet zwischen Antikörpern, die außerhalb der Zellen (extrazellulär) und Wachtumshemmern, die innerhalb der Zellen (intrazellulär) ihre Wirkung entfalten.

Immuntherapie: Interferone und Interleukine

Sie sind Boten- und Signalstoffe des Immunsystems und können verschiedene Sorten von Abwehrzellen „ankurbeln“. Außerdem kennzeichnen sie kranke Zellen an der Oberfläche, damit das Abwehrsystem sie leichter findet. Diese Stoffe können gentechnisch hergestellt werden. Sie werden als Spritze oder Tropf unter die Haut oder in die Vene gegeben.

Unerwünschte Wirkungen der Therapie mit Interferone und Interleukine

  • Grippeähnliche Beschwerden, besonders in der Anfangsphase
  • Depressive Verstimmungen, Fatigue
  • Blutbild-Veränderungen
  • Erhöhung von Leberwerten
  • Störungen der Schilddrüsenfunktion

Immuntherapie: Antikörpertherapie und Therapie mit anderen zielgenauen Medikamenten

Die Antikörper, die bei einigen Krebsarten eingesetzt werden, gehören zu den sogenannten „zielgenauen Medikamenten“. Sie richten sich gegen besondere Merkmale, die nur an den Krebszellen vorhanden sind. Nur wenn dieses besondere Merkmal an sehr vielen Tumorzellen zu finden ist, kommt bei einem Patienten diese Behandlung in Frage. In diesem Fall können die Antikörper die Krebszellen direkt ansteuern und sie gezielt schädigen.
Für die Behandlung von Krebs bei Menschen stehen zur Zeit ca. 20 Antikörper und andere zielgenaue Medikamente zur Verfügung. Unter anderem werden diese eingesetzten bei Brustkrebs, weiteren Organtumoren, bei bestimmten Lymphomen und Leukämien. Sie werden ambulant als Tropf gegeben oder als Tablette eingenommen.

Unerwünschte Wirkungen der Antikörper-Therapie

Die Antikörper-Therapie bei Krebs ist eine noch junge Behandlungsmethode, es gibt also erst wenig Langzeit-Erfahrungen. Sie sollte daher nur mit guter Begründung angewendet werden. Häufige unerwünschte Wirkungen sind Hautausschläge, Gliederschmerzen und Grippesymptome. Vorübergehend können die Leber- und Nierenwerte ansteigen. Vereinzelt gibt es allergische Reaktionen. Außerdem kommen sowohl eine unzureichende als auch eine übermäßige Blutgerinnung vor, Wundheilungs-Störungen sowie Organschäden, z.B. am Herzen.

Immuntherapie: Übertragung von Stammzellen aus dem Knochenmark oder Blut

Die Stammzellen im Knochenmark sind die „Mutterzellen“, von denen alle Blutzellen abstammen: die Blutplättchen, die weißen und die roten Blutkörperchen und andere. Außer im Knochenmark finden sich die Stammzellen in geringerer Zahl auch im Blut. Sie können sich unendlich oft teilen und zu den verschiedenen Blutzellen ausreifen. Die reifen Blutkörperchen werden dann in die Blutbahn abgegeben.

Das Ziel

Die übertragenen Stammzellen sollen wieder eine normale Blutbildung und ein
gesundes Abwehrsystem sicherstellen. Eine Übertragung (Transplantation) von Stammzellen ist notwendig, wenn das Knochenmark so geschädigt ist, dass es nicht mehr genug Blutzellen bilden kann. Dies kann die Folge einer besonders stark wirkenden Chemotherapie oder einer Ganzkörperbestrahlung sein:

  • Wenn das Knochenmark gezielt zerstört wird, weil es selbst die Krankheitsursache ist, z.B. bei einer Leukämie, oder
  • Wenn bei der Behandlung anderer Krebsarten eine Schädigung des Knochenmarks nicht zu vermeiden ist

Anders ausgedrückt: Ohne anschließende Stammzell-Übertragung könnten diese sehr wirksamen Behandlungen gar nicht durchgeführt werden. Die Stammzell-Transplantation wird daher von vornherein mit eingeplant.

Wie läuft eine Stammzell-Übertragung ab?

Stammzellen können entweder aus dem Knochenmark oder aus dem Venenblut gewonnen werden. Meistens wird die zweite Form gewählt, weil sie einige Vorteile hat: Erstens ähnelt sie einer Blutspende und benötigt also keine Narkose und keine Operation. Zweitens nehmen Stammzellen aus dem Blut nach der Übertragung ihre Arbeit schneller wieder auf als solche aus dem Knochenmark. Vor der Entnahme erhält der Spender den Wachstumsfaktor G-CSF. Er bewirkt, dass die Stammzellen vermehrt aus dem Knochenmark ins Blut übergehen. Nach der Gewinnung werden die Stammzellen bis zur Übertragung eingefroren. Als Tropf gelangen sie dann ins Blut des Empfängers. Von dort wandern sie von selbst ins Knochenmark und fangen wieder an, sich zu teilen.

Fremde oder eigene Stammzellen?

Die Stammzellen stammen entweder von einer anderen Person mit sehr ähnlichen Gewebemerkmalen (allogene Übertragung) oder von der erkrankten Person selbst (autologe Übertragung).

Ist durch eine hochdosierte Chemotherapie mit Übertragung von eigenen Stammzellen kein ausreichender Therapieerfolg möglich, kann eventuell eine Behandlung mit fremden Stammzellen sinnvoll sein. Vor- und Nachteile der Übertragung von fremden Stammzellen:

  • Die fremden Zellen sind frei von Tumorzellen.
  • Zusammen mit den Stammzellen werden auch Abwehrzellen des Spenders übertragen. Sie bekämpfen restliche Tumorzellen beim Empfänger. Dies ist gewollt, allerdings auch mit einer unerwünschten Wirkung
    verbunden, der „Spender-gegen-Wirt“-Reaktion.

Für die Übertragung eigener Stammzellen werden diese vor der hoch dosierten Chemotherapie aus dem Blut gewonnen. Sie werden eingefroren und kurz nach der Chemotherapie wieder als Infusion ins Blut zurückgegeben. Vor- und Nachteile der Übertragung der eigenen Stammzellen:

  • Selbst wenn sie vor der Übertragung ausgewaschen wurden, können sich auch Tumorzellen unter ihnen befinden.
  • Sie werden gut vertragen, es gibt keine „Spender-gegen-Wirt“-Reaktion.

Unerwünschte Wirkungen bei der Stammzell-Übertragung

Auch wenn das Gewebe von Spender und Empfänger sehr ähnlich ist, können die fremden Zellen für den Empfänger unverträglich sein. Das ist das Hauptproblem. Die Wirkung auf die Tumorzellen und auf den ganzen Menschen lässt sich nicht komplett vorhersagen. Es kann zu einer „Spender-gegen-Wirt“-Reaktion kommen, das bedeutet: Die Abwehrzellen des Spenders sehen die Empfänger-Gewebe als fremd an, greifen sie an und schädigen sie. Vor allem betrifft das die Haut, die Schleimhäute, die Leber und den Darm, seltener auch andere innere Organe oder die Augen.

Nach einer Übertragung von Blutstammzellen (eigenen oder fremden) ist die Abwehr des Empfängers noch lange Zeit geschwächt. Bis zu einem Jahr bleibt er anfällig für Infektionen mit Bakterien, Viren oder Pilzen.

Die Informationen zur Behandlung von Krebs wurden der Broschüre "Moderne Krebstherapie - Wirkungen und Nebenwirkungen" entnommen, die der Thüringischen Krebsgesellschaft freundlicherweise von der Bremer Krebsgesellschaft zur Verfügung gestellt wurde und in der Geschäftsstelle in gedruckter Version bestellt werden kann.

Letzte Änderung: 10.05.2019 Seitenanfang